Grundlagen für bessere Fotos

Es ist nicht schwer, ein Foto zu machen. Vor allem mithilfe der digitalen Fototechnik ist man nicht mehr so sehr auf Wissen angewiesen, um in vielen Fällen korrekt belichtete und scharfe Fotos erstellen zu können. Während man früher zunächst ermitteln musste, wie viel Licht vonnöten ist, um ein Foto richtig zu belichten, danach Blende und Blichtungszeit einstellen musste, übernehmen dies heute immer fähigere Belichtungsprogramme. Und so nimmt auch die Zahl der Fotos immer mehr zu, die jährlich angefertigt werden.

Dass es immer mehr Fotos gibt, bedeutet aber nicht, dass es immer bessere Fotos gibt. Denn die Technik für die korrekte Scharfstellung (Autofokus) und die korrekte Belichtung (Belichtungsprogramme, teilweise auf Aufnahmesituationen abgestimmt) hilft zwar, einwandfrei scharfe und belichtete Fotos zu machen. Interessant werden Fotos aber erst, wenn es gelingt, Fotos eine Aussage zu geben. Die Aussage kann in der Dokumentation eines Umstands liegen, sie kann aber auch darin bestehen, Stimmungen oder Gefühle zu vermitteln. Um Stimmungen und Gefühle zu vermitteln, muss das Bild geeignet sein, beim Betrachter Gefühle hervorzurufen. Für aussagekräftige Bilder kommt es zum einen auf die Wahl eines geeigneten Motivs an, zum anderen eine passende Gestaltung des Bildes.

Aussagekräftige Fotos herzustellen, setzt nicht zwingend eine hochwertige Fotoausstattung voraus. Zwar hilft eine Spiegelreflexkamera dabei in jeder Hinsicht perfekte Fotos herzustellen, aber so viel anspruchsvolle Technik kann auch – mit und ohne viel Aufwand – dazu eingesetzt werden, belanglose Fotos zu machen. Umgekehrt kann auch eine einfache (Handy-)Kamera bei geschicktem Einsatz unter geeigneten Bedingungen effektvolle Bilder herstellen.

Um aussagekräftige Bilder herzustellen, muss der Fotografierende, sich selbst Gedanken zu machen darüber, wozu das anzufertigende Bild überhaupt dienen soll. Dabei ist es für die Anfertigung aussagekräftiger Bilder nicht immer notwendig, umständlich zu planen. Oftmals muss man einfach nur die Augen offen haben, was hier heißt, dass man nicht nur passende Motive sehen muss, sondern auch anhand von Überlegungen feststellen muss, ob die Voraussetzungen für ein aussagekräftiges Bild vorliegen.

In vielen Fällen ergibt sich das Motiv praktisch von selbst. Wir wollen mit einem Bild von einem Ereignis oder eine Begebenheit berichten, woran wir teilnehmen. Dabei sind wir oftmals auf einer Reise, einem Ausflug, einer Familienfeier, und wir dokumentieren damit ein Erlebnis. In anderen Fällen muss das Motiv erst arrangiert werden. Ein Gegenstand oder eine Person werden in Szene gesetzt, ein Stillleben oder ein Porträt wird angefertigt.

Oft hilft es, sich zu überlegen, für welchen Verwendungszweck das Bild angefertigt werden soll. Soll z. B. von einer Party oder von einem Ausflug berichtet und nur vermittelt werden, dass man Spaß habe, ergeben sich andere Vorstellungen davon, wie das Bild aussehen muss, als wenn beispielsweise ein dekoratives Bild im großen Format an die Wand gehängt werden soll. Bei einem Foto von einer Party kommt es meist auf die Feiernden an. Die Umgebung ist vielleicht gar nicht (mit)entscheidend.

Abhängig vom angestrebten Verwendungszweck eines Bilds kommt es also an auf

  • das Motiv,
  • die Gestaltung und
  • das Werkzeug.

Zur Wahl des Motivs kann hier zunächst nicht viel gesagt werden, da es allein auf die angestrebte Aussage ankommt. Wer ein Bild machen will, muss sich über das Motiv Gedanken machen und sich überlegen, ob das Motiv geeignet ist, dem angestrebten Zweck zu dienen. Hierzu gehört auch die Überlegung, wen das Bild ansprechen soll. Ebenso wie der Redakteur einer Zeitung sich Gedanken darüber macht, ob ein Thema interessant ist, muss diese Frage auch durch den Fotografen beantwortet werden. Wenn man nicht darauf angewiesen ist, dass ein Bild andere interessiert, kann das Ergebnis der Überlegungen auch sein, dass das Bild allein den Fotografen selbst interessiert. Das ist sicher legitim, aber nicht immer geeignet, Zustimmung anderer zu erzeugen. Auf die Zustimmung anderer muss es nicht immer ankommen, etwa wenn es letztlich darum geht, sein Bewusstsein für Fragen der Bildgestaltung zu schärfen. Hierfür ist es nämlich hilfreich, immer wieder zu üben und gewissermaßen das fotografische Auge zu schulen. Ist der Zweck, sich in der Bildgestaltung zu schulen, ist es durchaus angebracht, auch zu Übungszwecken Bilder anzufertigen und hinterher anzuschauen.

Überhaupt: anschauen – gewissermaßen zu Übungszwecken lohnt es sich, Fotografien auch von anderen anzuschauen. Dabei kann man sich Fragen, was das betreffende Bild überhaupt interessant macht: das Motiv? die Gestaltung? die  perfekte technische Umsetzung? trifft all’ dies zusammen? welche Aussage ergibt sich? Fotogalerien im Internet (z. B. www.pbase.com, www.fotocommunity.de), Illustrierte, Zeitungen, Ausstellungen, Fotobände usw. bieten umfangreich Beispiele für die Schulung des Auges.

Zur Gestaltung lässt sich sicher viel sagen. Es gibt Regeln für die Gestaltung von Bildern und Anregungen dafür, die Regeln gezielt zu brechen. Entscheidend ist hier wieder, für welchen Zweck das Bild angefertigt wird. Für die dokumentarische Wiedergabe einer Sache, z. B. einer Ware in einem Produktkatalog, gelten andere Anforderungen an die Gestaltung als für eine spannungsgeladene Inszenierung z. B. einer Landschaft oder eines Portraits. Wie Gestaltungsregeln im Einzelfall anzuwenden und zu brechen sind, hängt ganz von den Umständen des Einzelfalls ab. Daher können hier nur allgemeine Regeln und wenige Beispiele zur Verdeutlichung gegeben werden.

Zentral für die Gestaltung eines Bildes sind Größe, Farben und Form des abzubildenden Gegenstands. Weiter tritt die Aufgabe hinzu, die Begrenzungen des zweidimensionalen Mediums gezielt einzusetzen, also den Bildausschnitt festzulegen. Was dargestellt werden soll, muss in die meist rechteckige Form des Bilds gebracht und dort so platziert werden, dass die beabsichtigte Bildwirkung unterstützt wird.